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Strategische HR‑IT Roadmaps im Mittelstand

Christoph Kuth und Josef Parth gaben in der Impact Session „Strategische HR Roadmaps im Mittelstand“ einen sehr praxisnahen Einblick, wie mittelständische Unternehmen ihre HR‑Digitalisierung strategisch aufsetzen – und welche Stolpersteine sie dabei zwingend vermeiden sollten. Im Zentrum standen zwei Fragen: Wie entsteht aus der Geschäftsstrategie eine konkrete HR‑IT Roadmap? Und wie gelingt es, diese HR-IT Strategie im Unternehmen umzusetzen.

 

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Informationen
  • Freitag 13. März
    14:45 - 15:45 Uhr
  • Impact Session

Von der Unternehmensstrategie zur HR‑IT Roadmap

„Digitalisierung“ steht im Unternehmensalltag für eine Vielzahl an Zielen: Effizienzsteigerung, mehr Prozesstransparenz, Kostensenkung oder besseres Know-how-Management sind nur einige davon. Häufig werden diese Themen über einzelne Projekte adressiert, die kurzfristig Wirkung zeigen sollen oder akute Probleme lösen – etwa ein neues Learning-System, ein Recruiting-Tool oder zusätzliche Reportinglösungen. Was dabei jedoch oft fehlt, ist der langfristige rote Faden: eine HR‑IT Roadmap, die aufzeigt, wohin sich das Unternehmen entwickeln möchte und wie digitale Initiativen aufeinander aufbauen.

In vielen Organisationen existieren eine Unternehmensstrategie und eine HR‑Strategie, doch die Übersetzung in eine klare HR‑IT Perspektive bleibt aus. Der Startpunkt für eine Roadmap ist daher die Frage, welche Ziele mit HR‑IT konkret verfolgt werden sollen: Stehen Standardisierung und Skalierung im Vordergrund? Bessere Entscheidungsgrundlagen für Führungskräfte? Eine stärkere Talententwicklung? Erst wenn diese Ziele klar sind, lässt sich eine sinnvolle Abfolge von Initiativen planen – statt ausschließlich auf Einzelbedarfe zu reagieren.

Wesentlich ist dabei die People Strategy: Sie definiert, welches Rollenverständnis HR im Unternehmen hat und wie das People & Culture Umfeld gestaltet sein soll. Im operativen Alltagsgeschäft werden diese Überlegungen jedoch schnell verdrängt. Die Session betonte deshalb, wie wichtig es ist, eine klare Vision für HR zu formulieren, sie wiederholt zu kommunizieren und daran zu erklären, warum bestimmte digitale Vorhaben priorisiert werden und andere (noch) nicht.

Praxisbeispiel: Globale HR-Transformation im Mittelstand

An einem konkreten Fall aus einem über 100 Jahre alten Unternehmen wurde die Komplexität greifbar: Mehrere Länder, jedes mit eigenen HR‑Systemen und Prozessen, keinerlei globale Einheitlichkeit. Diese historisch gewachsenen Strukturen sind typisch für den Mittelstand – und sie erschweren eine koordinierte digitale Weiterentwicklung massiv.

Ein globales Projekt im Bereich Learning und Talent Management wurde dort zum ersten gemeinsamen Ansatz, einheitliche Prozesse aufzubauen und ein globales System zu etablieren. Dabei zeigte sich, wie herausfordernd es ist, lokale Besonderheiten und globale Standards zusammenzubringen. Es reicht nicht, ein neues Tool „über alle zu stülpen“; stattdessen müssen zuerst Prozesse geklärt, Rollen definiert und Erwartungen abgeglichen werden, bevor Technologie eingeführt wird.

Die zentrale Botschaft: Toolauswahl folgt der Strategie – nicht umgekehrt. Erst wenn Prozesse, Ziele und Anforderungen klar formuliert sind, kann eine Lösung ausgewählt werden, die tatsächlich Mehrwert stiftet, genutzt wird und langfristig tragfähig ist.

Change Management: Stakeholder frühzeitig einbinden

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Bedeutung von Change Management. Technologische Entwicklungen wie Cloud‑Lösungen sind sichtbare Auslöser, aber der eigentliche Erfolg oder Misserfolg entscheidet sich bei den Menschen, die damit arbeiten.

Im Zentrum steht dabei HR, das bei HR‑Prozessen im Driver Seat sein sollte. Rundherum gruppieren sich zentrale Stakeholder: IT als technischer Enabler, Finance und Controlling, der Produktionsbereich, der Betriebsrat – und als „Kund:innen“ der HR‑Prozesse die Mitarbeitenden und Führungskräfte. Eine nachhaltige HR‑Digitalisierung gelingt nur, wenn diese Gruppen frühzeitig einbezogen werden, verstehen, welche Vorteile die Veränderung für sie hat, und idealerweise selbst als Treiber des Wandels agieren.

Deutlich wurde, dass eine einmalige Ankündigungs-E-Mail dafür nicht ausreicht. Stattdessen braucht es dialogische Formate: persönliche Gespräche, Workshops, Feedbackschleifen, Pilotgruppen. Im globalen Kontext kommt eine zusätzliche Dimension hinzu: Lokale HR‑Teams übernehmen eine Schlüsselrolle, indem sie zentrale Botschaften in die jeweilige Sprache und Kultur übersetzen, lokale Pain Points adressieren und die Umsetzung vor Ort aktiv begleiten. Was aus einem Headquarter – etwa in Deutschland – oft nur abstrakt sichtbar ist, wird so konkret und anschlussfähig für die einzelnen Standorte.

Prozessdenken statt Silos – und die Rolle von HR‑IT

Ein wichtiges Spannungsfeld, das angesprochen wurde, ist die organisatorische Verortung von HR‑IT. In vielen Unternehmen ist unklar, ob HR‑IT eher bei IT oder bei HR aufgehängt werden sollte. Die klare Empfehlung lautete: HR‑IT sollte inhaltlich in HR verankert sein, während IT eine Service- und Enablerrolle übernimmt. So bleibt die Steuerung nah am Bedarf der Fachbereiche und am Alltag der Nutzer:innen, und Anpassungen können schneller umgesetzt werden.

Damit verbunden ist ein Perspektivwechsel: weg von klassischem Silodenken (Recruiting, Learning, Administration etc.) hin zu Ende‑zu‑Ende‑Prozesslogiken. Viele relevante HR‑Prozesse – etwa vom Eintritt bis zum erfolgreichen Onboarding oder vom Talent-Potenzial zur internen Nachfolge – durchlaufen mehrere Bereiche gleichzeitig. Am Ende steht immer eine Person, die mit dem Ergebnis arbeitet und beurteilt, ob es hilfreich ist. Diese kundenzentrierte Sichtweise ist in Operations und Produktion etabliert und sollte auch im HR‑Kontext stärker verankert werden.

Fazit: HR‑IT als strategischer Hebel im Mittelstand

Die Session machte deutlich, dass HR‑Digitalisierung im Mittelstand weit über die Einführung einzelner Tools hinausgeht. Entscheidend ist eine klare HR‑IT Roadmap, die von der Unternehmensstrategie ausgeht, die People Strategy ernst nimmt, Prozesse ins Zentrum stellt und Stakeholder aktiv einbindet.

Wo diese Elemente zusammenkommen – HR im Driver Seat, IT als Partner, globale und lokale Perspektiven im Gleichgewicht und Change Management als bewusste Daueraufgabe –, entsteht aus vielen Insellösungen eine verständliche, priorisierte und umsetzbare Linie. So wird HR‑IT vom Nebenprodukt zum strategischen Hebel: für effizientere Abläufe, bessere Entscheidungen und eine Employee Experience, die den Mittelstand nachhaltig stärkt.

 

 

KOMMENTARE

Speaker

Christoph Kuth
Christoph Kuth
Manager HR Digitalization (retired), „Passion for HR Digitalization“
Josef Parth
Josef Parth
Geschäftsführer, reboot:HR
Rocket
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